Psycho-Onkologie

  • Was schützt uns vor dem Krebs? Sieben protektive Faktoren, die jeder leicht nutzen kann.
  • KREBS besser überstehen – mit Hilfe der Psychonkologie
  • Was ist ein Therapie-Erfolg in der Psycho-Onkologie ?
  • Nicht leben wie zuvor – sondern leben wie nie zuvor.
  • Bioenergetik in der Psychoonkologie
  • Der Ansatz von Greg Anderson
  • Was schützt uns vor dem Krebs? Sieben protektive Faktoren, die jeder leicht nutzen kann.

    Vorwort:

    • Zum ersten Mal in der Geschichte der Krebs-Erkrankung sind wir in der Lage, eine wirkliche Prävention anzubieten. Was bisher unter dem Namen „Prävention“ von der Medizin praktiziert wird, sind im Grunde nur Früherkennungsmaßnamen. Eine wirkliche Prävention dagegen zielt darauf ab, eine Krebs- Erkrankung zu verhindern. Konkret heißt das: eine echte Prävention soll das Erkrankungsrisiko erheblich senken, möglichst so weit, dass eine Erkrankung unwahrscheinlich wird. Das ist jetzt möglich geworden, denn wir hatten noch nie so viel gesichertes Wissen über die Faktoren, die uns vor Krebs schützen und wir haben einige neue Technologien, die eine Prävention praktikabel und bezahlbar machen. Das ist eine neue historische Situation und eine wirklich „frohe Botschaft“. Diese Prävention hat bloß einen Nachteil: Man muss dazu bereit sein, seinen Lebensstil kritisch zu hinterfragen und evtl. zu verändern.
    • Krebs entwickelt sich ja vor allem aufgrund einer Dysfunktion oder Schwäche unseres Immunsystems.Deshalb drehen sich auch alle Schutzfaktoren um die Verbesserung der Funktionstüchtigkeit unseres Immunsystems.
    • Ich habe 7 Faktoren entdeckt, die die Krebs-Forschung auf der ganzen Welt für bedeutsam hält als präventive Faktoren.
    • Wer mehr über diese 7 Schutz- Faktoren wissen will, sollte selbst dazu im Internet schauen oder die Bücher von David Servan-Schreiber (Das Antikrebs-Buch), von Monsieur Beliveau (Krebszellen mögen keine Himbeeren) und von Jon Kabat-Zinn (Gesund durch Meditation) lesen.
    • Ich beziehe mich hier hauptsächlich auf die Daten und Empfehlungen des World Cancer Research Fund (WCRF), einer Einrichtung der UN. Der letzte Bericht erschien 2007 und berücksichtigt mehr als 22000 wissenschaftliche Studien zum Krebs.
    • Für die ersten 4 meiner 7 Faktoren gibt es inzwischen eine wissenschaftliche Evidenz von 80 – 100 %, für die letzten 3 Faktoren nur eine Evidenz von schätzungsweise 50-70%. (siehe dazu: Prof..J. Spitz/ A. Jordan: Lebensstil-Maßnahmen bei MS. Schlangenbad 2013, Tabelle auf S.14)

     

    1. Bewegung

    – Die WHO empfiehlt 2,5 Std. moderate Bewegung pro Woche oder 1 Std. anstrengende Bewegung pro Woche.

    – Der WCRF (s.o) empfiehlt eine halbe Std. täglich, mindestens 5 mal pro Woche (ebenfalls eher moderate Bewegung)

    – Unser deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg erklärt, dass Bewegung als Schutz- Faktor erwiesen sei für Brustkrebs, Darmkrebs und Ovarialkrebs. Bei Prostatakrebs und Lungenkrebs spreche viel dafür, es sei aber bis jetzt nicht erwiesen.

    – Bei Brustkrebs könne man durch regelmäßige Bewegung mit einer Risikosenkung um 40-50% rechnen, bei Darmkrebs 30-40%

    – Ich möchte dem hinzufügen, dass es sich um eine Bewegungsart handeln sollte, die einem Spaß macht

    – Beispielhaft werden aufgeführt: Spazieren gehen, Nordic Walking, Wandern, Rad fahren, Tanzen, Schwimmen, Fußball spielen, Tennis spielen, Yoga, Chi Gong, Tai Chi alle warnen vor Überanstrengung (oder Über-Training)

     

    1. Die Sonne

    – Im Freien und in der Sonne sein ist ein wichtiger Schutzfaktor, weil in der Sonne in unserer Haut Vitamin D3 gebildet wird.

    – Vitamin D3 hat sich als außerordentlich bedeutsamer Schutzfaktor erwiesen (nicht nur gegen Krebs sondern auch gegen andere chronische Erkrankungen und  Risiken wie z. B. Den Schlaganfall)

    – Gleichzeitig hat man einen erschreckenden Mangel an diesem Vitamin in der  Bevölkerung Westeuropas festgestellt.

    – Wir brauchen viel mehr Vitamin D3 als man bisher gedacht hat, vor allem, wenn es als Schutzfaktor gegen den Krebs wirken soll (d.h. das Immunsystem unterstützen). Dafür brauchen wir einen ständigen Spiegel von mind. 50 Nanogramm Vitamin D3 pro Milliliter Blut (nachgewiesen durch die große Studie von Garland u.a., San Diego, USA, mit über 3000 Versuchspersonen. Diese Studie hat auch die Frage der möglichen Überdosierung geklärt: Wir können täglich bis zu 10.000 I.E. Vitamin D3 gefahrlos zu uns nehmen)

    – Eine Studie der Georgetown-University, USA, zeigte z.B. dass Frauen mit einem Spiegel von 52 Nanogramm Vitamin D3 ein 50% niedrigeres Brustkrebsrisiko hatten als Frauen, die nur einen Spiegel von 13 Nanogramm hatten.

    • Zweimal im Jahr sollte man den Vitamin-D-Spiegel im Blut messen lassen (einfacher Bluttest), um zu wissen, wo man steht. Die einzelnen Faktoren, die den Spiegel beeinflussen, sind so kompliziert, dass man keine vernünftige Schätzung machen kann.
    • Besonders im Winter sollte man Vitamin D durch Tropfen (aus der Apotheke) ersetzen, da im Winter (von Oktober bis Mai) die Sonne kein Vitamin D produziert.
    • In der sonnenreichen Zeit soll man nur kurze Zeit in die Sonne gehen (max. 15 min). Dafür aber ohne jede Sonnenschutzcreme und wenn die Sonne sehr steil am Himmel steht (weil nur dann die UVB-Strahlung bei uns ankommt). Möglichst viel Hautfläche der Sonne aussetzen. Wer die Sonne nicht verträgt, kann auch im Sommer zu den Tropfen greifen (s.o.).

     

    1. Ernährung

    Etwas vereinfachend kann man sagen: Wer sich hauptsächlich von Obst und Gemüse in guter Qualität  und großer Vielfalt ernährt (und von allem Übrigen wenig isst), der hat einen sehr guten Schutz gegen den Krebs.

    –     Seit den 90er Jahren werden die sog. sekundären Pflanzenstoffe erforscht, das

    sind die Substanzen, die den Pflanzen die Farben geben. Alle diese Stoffe

    haben nachweislich Krebs-verhütende Wirkungen, jeder ein bisschen anders        (deshalb ist die abwechslungsreiche Ernährung wichtig).

    –   Prof. Beliveau hat sich hier einen Namen gemacht: die meisten Erkenntnisse, die wir heute über die sekundären Pflanzenstoffe haben, verdanken wir ihm (und seinen Mitarbeitern). Sehr lohnend, sein Buch dazu zu lesen: „Krebszellen mögen keine Himbeeren“. Er hat in seinem Labor auch Synergie-Effekte untersucht. Z.B. wird das Wachstum von Krebszellen durch eine Mischung aus Knoblauch, roten Beeten und Grünkohl zu 100% gestoppt, während das keine einzelne dieser Substanzen schafft.

    • Wesentlich ist, dass ein zu hoher Anteil an tierischem Eiweiss (speziell aus Milchprodukten) Krebs-fördernd ist. Der amerikanische forscher Colin Campbell konnte durch seine aufsehenerregende „China-Study“ nachweisen, dass Canzerogene oft erst durch ein hohes Niveau an tierischem Eiweiß (über 20% Anteil an der Ernährung) zum Tragen kommen.
    • Interessant sind auch einzelne Nahrungsmittel aus „fremden Küchen“, z.B. das Gewürz Curcuma: Die Inder haben durch den häufigen Gebrauch von Curcuma 50 mal weniger Prostata-Krebs als die Amerikaner.
    • Auch Ingwer und Sesam sind interessant: Ingwer verbessert das Gleichgewicht der Eikosanoide (Gewebshormone), die einen großen Einfluss auf Krebs-Vorstufen haben. Sesam ist ein guter Ersatz für die Milch, denn er enthält 14 mal soviel Calcium wie die Milch und ist außerdem reich an Selen (das auch einen eigenen Krebs-Schutzfaktor darstellt,s.u.).
    • Wesentlich für den Krebsschutz ist auch das Gleichgewicht der essentiellen Fette (Omega 3 und Omega 6): Es sollte bei etwa 1: 4 liegen, ist aber im Durchschnitt bei 1: 20. Kurz gesagt, haben wir alle einen Mangel an Omega 3 Fetten (die hauptsächlich im Meeresfisch vorkommen). Man kann also mehr Fisch essen oder täglich Fischöl-Kapseln zu sich nehmen. (Dabei muss man aber sehr auf die Qualität des Produkts achten: Seit 1999 gibt es eine neue Filter-Technologie, die es ermöglicht, alle Schadstoffe aus dem Fischöl herauszufiltern. Diese Produkte sollte man nehmen.)
    • Insgesamt ist Ernährung ein Thema ohne Ende. Sehr lohnend ist auch dazu zu lesen das Buch von David Servan Schreiber:“ Das Anti-Krebs-Buch“ (von 2013). Auch Colin Campbell: „China-Study“ ist ein sehr spannendes Buch dazu (vor allem die Insider-Informationen über die Verstrickung von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft)

     

    1. Ein weiser Umgang mit dem (chronischen) Stress

    Auch dies ist ein gewaltiges Thema, auf das ich hier nur sehr verkürzt eingehen kann. Ich kann hier nur jeder Betroffenen empfehlen, einen Profi zu Rate zu ziehen (d.h. einen erfahrenen Psychotherapeuten). Allein kommt man hier nicht weit.

    – Inzwischen ist unstrittig nachgewiesen, dass Stress (vor allem chronischer,d.h. langfristig wirksamer Stress) Krebs-fördernd ist (durch viele Tierexperimente und Humanstudien). Schwierig dabei ist nur, dass die Dinge, die uns stressen (die sog. Stressoren) so subjektiv verschieden sind, wie die Menschen verschieden sind (obwohl die Stress-Reaktion eindeutig und bei allen gleich ausfällt). Hier kann man nur raten: Erforschen Sie sehr genau, was Sie im Einzelnen stresst (und übersehen Sie bitte nicht den kumulativen Stress, der sich addiert und genau so schädlich ist wie der permanente, chronische).

    – Das erste Problem ist ja schon, den Stress überhaupt und realistisch wahrzunehmen (weil wir uns alle sehr schnell an Stress gewöhnen). Kaum ein Mensch kann selber seinen Stress realistisch einschätzen. Fragen Sie lieber Ihren Partner oder ihre Freunde. Die können Ihnen realistischer sagen, wo und wie Sie Stress haben.

    – Man muss also lernen, den Stress wieder im Körper zu fühlen, wenn er entsteht (die Anspannung, die Veränderung der Atmung etc.).Man kann auch lernen, auf Angst und Wut zu achten, die wichtigsten emotionalen Stress-Symptome ( die aber oft unterdrückt und nicht ausgelebt werden.) Leider ist uns eben viel Stress völlig unbewusst – wirkt aber trotzdem krankmachend!

    – Dann kann man natürlich auch lernen, Stress wieder loszulassen oder abzubauen (z. B. durch Bewegung jeder Art). Man kann lernen, Stress zu transformieren in vielerlei Formen: in einen Tanz, einen Schrei, einen Gesang, ein Gebet, eine Meditation, einen Spaziergang usw. Es gibt endlos viele Möglichkeiten und jeder muss herausfinden, welche zu ihm passt.

    – Man kann auch Entspannungs-Methoden lernen (von CDs oder durch einen Therapeuten)

    – Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass man dem Stress oft nicht entkommen kann: er ist Teil unseres ganz normalen Lebens (und zwar oft in der schädlichen chronischen Form, z.B. wenn man seine Arbeit verliert oder pensioniert wird oder einen nahen Angehörigen verliert usw.). Da muss man einfach „durch“ und kann sich nur bewusst mit dem Stress auseinandersetzen, aber loswerden kann man ihn nicht.

    • Sie sehen also: Stress ist ein sehr komplexes Phänomen und der „weise“ Umgang damit ist alles andere als einfach. In meinen Augen ist Stress aber eine der Hauptursachen für die Krebserkrankung und deshalb lohnt es sich, sich damit intensiv zu beschäftigen. Ich weiß, das klingt alles nach Arbeit. Sehr wahr. „Völlig stressfrei in 20 Minuten“ klingt viel besser – allerdings auch nicht sehr seriös.
    • Ein sehr nützliches Buch über den Stress und wie man „weise“ mit ihm umgehen kann, ist m.E. Das Buch von Jon Kabat-Zinn: „Gesund durch Meditation“. Er erklärt die ganze Komplexität des Stress-Phänomens und hat eine nachweislich wirksame Methode der Stress-Reduktion entwickelt (MBSR).

     

    1. Homocystein-Senkung

    Homocystein ist ein Restprodukt unseres normalen Stoffwechsels. In gewissen Mengen ist es also normal. Es ist aber ein starkes Zellgift und führt leicht zu Krebsvorstufen. Es ist ein hoher Risikofaktor für den Herzinfarkt, den Schlaganfall und für Krebs. Deshalb sollte es auf einem möglichst niedrigen Niveau gehalten werden.

    Nun erhöht sich der Homocysteinspiegel aber ganz von selbst sobald wir

    – Stress haben

    – uns häufig ärgern

    – älter als 40 Jahre sind

    – krank sind

    – oder rauchen.

    Die gute Nachricht ist (und das gilt erst seit den 90er Jahren!): heute können wir den Homocystein-Spiegel ganz leicht wieder senken, mit einem einfachen Vitamin-Präparat (3 aus der B-Vitamin-Gruppe, in einer ganz bestimmten Proportion zueinander). Wenn wir das Präparat „Synervit“ einen Monat lang nehmen, können wir sicher sein, dass wir  unseren Homocystein-Spiegel auf die Hälfte gesenkt haben. Daher reicht in der Regel die einmalige, kurmäßige Einnahme im Jahr als Prävention gegen Homocystein.

    – Hat man allerdings schon Krebs, dann sollte man den Homocystein-Spiegel erst genau bestimmen lassen (Blut-Test) und dann evtl. längere Zeit das Vitamin-Präparat nehmen.( Der Test ist leider kompliziert und muss privat bezahlt werden).

     

    1. Selen

    Selen ist ein essentielles Spurenelement für unseren Körper. Essentiell bedeutet: Der Körper muss es durch die Nahrung aufnehmen (er kann es nicht selbst herstellen) und ganz ohne Selen würde er sterben.

    – Selen wird zur Zeit intensiv erforscht und es ist schon klar geworden, dass Selen unser Immunsystem stärkt und einen machtvollen präventiven Faktor speziell gegen den Brustkrebs (und vermutlich auch Prostata-Krebs) darstellt.

    – Große Meinungsverschiedenheiten gibt es noch über die Menge Selen, die wir brauchen und die Dosis, die man präventiv einnehmen sollte.

    – Die offiziellen Stellen in Deutschland empfehlen z.Zt. eine Einnahme von 50-100 Microgramm Selen täglich als Prävention. Professor Schrauzer (USA), der als der größte Selen-Forscher in der westlichen Welt gilt, empfiehlt dagegen für alle Europäer eine Dosis von 300 Microgramm täglich (weil die Böden in Europa extrem wenig Selen enthalten und die Pflanzen das vorhandene Selen nicht aufnehmen, wenn sie mit Kunstdünger gedüngt werden – und das ist in Europa seit dem zweiten Weltkrieg überwiegend der Fall).

    – Selen ist in mehrfacher Hinsicht interessant: es reguliert z.B. unsere Schilddrüse (zusammen mit dem Jod, das seinen Gegenspieler darstellt). Es neutralisiert außerdem alle Schwermetalle, mit denen unser Organismus evtl. belastet ist, (auch das Aluminium, das momentan schwer im Verdacht steht, für die Alzheimer-Erkrankung verantwortlich zu sein).

    – Ich finde es auch interessant, dass die chinesische Regierung schon seit 1974 für ihre gesamte Bevölkerung Selen als Prävention ausgibt.

    Man kann erwarten, dass die Fragen der richtigen Dosierung in den nächsten Jahren gelöst werden. Sie sind wichtig, weil Selen in zu hoher Dosis gefährlich werden kann. Inzwischen würde ich empfehlen, 100 Microgramm täglich zu nehmen, das ist auf jeden Fall unbedenklich (vielleicht aber nicht ausreichend).

     

    1. Co-Enzym Q 10 (Ubiquinol)

           Dieses Co-Enzym wurde erst in den 60er Jahren entdeckt und wird ebenfalls

    zur Zeit intensiv erforscht, unter anderem, weil es vermutlich eine starke

    präventive Wirkung gegen den Krebs hat.

    – Der doppelte Nobelpreisträger Linus Pauling hielt die Entdeckung von Q10

    für die wichtigste Entdeckung des Jahrhunderts und behandelte damit

    erfolgreich seinen eigenen Prostatakrebs (er erkrankte mit 60 und starb mit 93

    Jahren).

    • Co-Enzym Q 10 kommt auch in Lebensmitteln vor (z.B. in Rindfleisch und

    Spinat), aber leider nur in sehr kleinen Mengen. Der Körper kann aber Q10

    selbst herstellen (in der Leber), braucht dafür aber genügend Selen (!).

    • Wir wissen bereits über Q10, dass es Tumore bremsen kann, dass es dem

    Organismus Energie schenkt und das Immunsystem stärkt. Es wirkt auch

    anti-oxidativ. Es kann sogar die schädlichen Nebenwirkungen von Chemo-

    oder Strahlentherapie reduzieren.

    • Es existieren bereits klinische Studien, wo Tumor-Patienten erfolgreich mit

    hohen Dosen Q10 behandelt wurden (speziell Prostata-Krebs-Patienten)

    – Auch hier ist die Dosierung noch sehr umstritten. Empfohlen werden heute

    100 mg pro Tag als Prävention. Für bereits an Krebs erkrankte werden  aber                                          tägliche Dosen von 300-600 mg empfohlen.

    — Der normale Q10-Spiegel (im Blut) sollte etwa 0,85 Microgramm per Milliliter Blut betragen. Nach einer wissenschaftlichen Studie erreicht in Deutschland nur 25 % der Bevölkerung diesen Wert (und das sind hauptsächlich die Kinder und Jugendlichen).  – Man kann seinen Q10-Spiegel vom Arzt messen lassen (kostet aber wieder privat).

    Die Probleme mit dem „normalen“ Q10-Spiegel sind:

    • Wenn Selen fehlt, kann die Leber es nicht herstellen
    • Wenn wir Stress haben, sinkt der Spiegel um bis zu 50%
    • Wenn wir krank sind oder uns operieren lassen müssen, sinkt der Spiegel
    • Wenn wir über 40 Jahre alt sind, ist der Spiegel wahrscheinlich gesunken
    • – Wenn wir Medikamente gegen den Cholesterin-Spiegel nehmen (die sog. Statine), sinkt der Q10-Spiegel.
    • Ich denke, es ist daraus klar geworden, dass auch schon beim jetzigen Stand der Forschung jedem Menschen über 40 zu raten wäre, Q10 in vernünftigen Mengen als Prävention zu nutzen, ganz besonders aber als Sekundär-Prävention für alle Erkrankten (und dann in wesentlich höheren Dosen).

     

    So weit, so gut. Ich habe versucht, mich so kurz wie möglich zu fassen. Im Anhang finden Sie ergänzend eine subjektive Auswahl interessanter Internet-Dokumente zu meinen sieben Faktoren.

    Innsbruck, 20.12.2014

    Moses G. Steinvorth, Psychoonkologe

     

  • KREBS besser überstehen – mit Hilfe der Psycho-Onkologie.

Die Psycho-Onkologie ist ein junges Fachgebiet der Psychologie und beschäftigt sich mit allen wesentlichen seelischen Faktoren, die bei der Krebserkrankung eine Rolle spielen. Als angewandte Disziplin bietet die Psycho-Onkologie dem krebskranken Menschen eine spezielle psychotherapeutische Behandlung an, die – zusätzlich zu einer angemessenen medizinischen Behandlung – oft erstaunlich hilfreich sein kann, um die Erkrankung besser zu überstehen, sich eine hohe Lebensqualität zu bewahren und auch leichter wieder gesund zu werden.

Durch die psychoonkologische Forschung wissen wir heute, dass es eine ganze Reihe psychosozialer Faktoren gibt, die auf den Verlauf der Krebserkrankung einen günstigen Einfluss ausüben können. Die psychoonkologische Therapie setzt diese Erkenntnisse in die Praxis um. Z.B. ist es keineswegs gleichgültig, wie ein Krebskranker selbst auf seine Erkrankung reagiert und damit umgeht. Der persönliche Bewältigungsstil der Erkrankung (in der wissenschaftlichen Forschung „Coping“ genannt) kann einen erheblichen Effekt auf den Verlauf der Erkrankung machen. Krebskranke Menschen können günstigere und effektivere Formen von „Coping“ erlernen und damit ihre Heilungschancen verbessern. Auch Faktoren wie „Stress-Belastung“, „Soziale Unterstützung“ oder „Ausdruck von Gefühlen“ spielen nachgewiesenermaßen eine Rolle und können durch Psychotherapie beeinflusst werden. (Nähere Informationen über diese seelischen Faktoren finden Sie z.B. auf der CD des Autors „Krebs – Eine Reise ins Unbekannte. Psychologischer Rat für betroffene Menschen“, Wien 2004, oder in der unten angegebenen psychoonkologischen Literatur)

Es lohnt sich also, neben der medizinischen Behandlung ergänzend eine psychoonkologische Therapie zu machen.

Psychoonkologisch gut ausgebildete Psychotherapeuten können eine entsprechende Zusatzqualifikation nachweisen und Adressen sind über die Fachverbände zu bekommen (siehe unten).Die Krankenkassen zahlen für die Behandlung einen Zuschuss wie bei jeder normalen Psychotherapie.

Fachverbände im Internet: www.dapo-ev.de und www.oegpo.at

Literaturempfehlungen:

BENJAMIN, H.: Chancen gegen Krebs. Freiburg 2002

LESHAN, L.: Diagnose Krebs – Wendepunkt und Neubeginn. Stuttgart 1993

SIEGEL, B.: Mit der Seele heilen. Düsseldorf 1991

SIMONTON, C.O.: Auf dem Wege der Besserung. Reinbek 1993

STEINVORTH, M.G.: Die Krebsreise. Bonn 2004

TSCHUSCHKE, V.: Psycho-Onkologie. Stuttgart 2002

Der Autor: M. G. Steinvorth, Innsbruck, ist Psychotherapeut und Psycho-Onkologe. E-mail: info@steinvorth.at / Internet: www.steinvorth.at

 

  • Was ist ein Therapie-Erfolg in der Psycho-Onkologie ?

Jedem ist sofort klar, daß es nicht darum gehen kann, daß der Patient wieder vollständig gesund und symptomfrei wird.Was ist aber dann ein sinnvolles Kriterium ?Meiner Meinung nach wäre es auch nicht richtig, völlig auf den Anspruch an Gesundung des Patienten zu verzichten und nur solche Ziele wie

– Erhaltung / Verbesserung von Lebensqualität

– Unterstützung

– Hilfe bei der Krankheitsbewältigung

o.Ä. anzustreben, wie es viele in diesem Feld Tätige tun.Ich finde, das wäre falsche Bescheidenheit und würde die Psycho-Onkologie in die Nähe von „Seelen-Trösterei“ oder „Krankheits-Management“ bringen.Ich finde, wir sollten ruhig denselben Grundanspruch aufrechterhalten wie die Medizin: Wir behandeln Menschen, die krank sind, damit sie wieder gesund werden können – zumindest so gesund wie möglich, und „gesund“ in einem sehr umfassenden Sinne, d.h. nicht nur physisch, sondern auch psychisch, auch sozial, auch spirituell.

Gesundheit ist genauso wie Krankheit – ein sehr vielschichtiges Phänomen und schon die WHO hat sie deshalb als vollständiges leibliches, seelisches und soziales Wohlbefinden definiert.Außerdem ist Gesundheit immer relativ: es gibt niemand, der „absolut“ gesund wäre, Gesundheit ist ein Prozess, etwas Fließendes, und jemand kann immer mehr oder weniger gesund sein oder werden. Eine Verbesserung der Gesundheit des Patienten in diesem umfassenden und relativen Sinn ist daher für mich ein wichtiges Ziel der psychoonkologischen Therapie und ein wichtiges Erfolgskriterium:

Wenn sich die Gesundheit des Patienten in irgendeiner der wesentlichen Dimensionen verbessert hat, dann war die Therapie erfolgreich. Meist ist dieser Erfolg daran messbar, dass sich das tägliche Leben und Erleben des Patienten für ihn selbst und auch für andere spürbar und nachvollziehbar verändert und subjektiv verbessert. Meist gibt es auch objektive, d.h. z. B. physische Parameter, die die Veränderung und Verbesserung anzeigen. Bei allen von mir erfolgreich behandelten krebskranken Menschen war das der Fall. Auch wenn der Patient im Verlauf der Behandlung stirbt, heißt das nicht unbedingt, dass die psychoonkologische Behandlung erfolglos war. Ich finde z.B. die Verbesserung der Sterbe-Qualität eines Menschen (um das sich z.B. auch die Hospiz-Vereine seit Jahren bemühen) ebenfalls ein wichtiges Ziel psychoonkologischer Therapie. Ebenso kann auch ein sterbender Mensch noch seine psychosoziale und spirituelle Gesundheit erheblich verbessern und so oft wesentlich friedlicher sterben.          Es wird immer noch heftig darüber gestritten, ob psychoonkologische Therapie auch die Lebenszeit von an Krebs erkrankten Menschen verlängern helfen kann. Vor allem für die Schulmedizin ist dies eine sehr wichtige Frage und ein ewiger Zankapfel, denn dies ist ja vor allem ihr eigenes erklärtes Ziel in der Krebs-Therapie. Ich kann persönlich nicht begreifen, warum dieses Kriterium für den Behandlungserfolg so wichtig genommen wird und kann von meinem psychoonkologischen Standpunkt aus nur davor warnen.

Meines Erachtens wird mit der Fixierung des Blicks auf „Lebensverlängerung“ wieder das Verständnis von der Vielschichtigkeit von Krankheit und Gesundheit und damit auch der Vielschichtigkeit des Heilungs- und Genesungsprozesses verstellt und an Krebs erkrankte Menschen werden in ihrer tragischen Haltung, durch die Krebs-Diagnose oft auf die Todes-Bedrohung zu starren wie das berühmte Kaninchen auf die Schlange, bedauerlicherweise unterstützt statt – durch eine andere Haltung des Behandlers – davon abgebracht. Lebensverlängerung „um jeden Preis“ bedeutet nicht Gesundheit und ist für sich schon ein Zeichen einer „ungesunden“ Lebenshaltung, die die Vielschichtigkeit des Lebensprozesses verleugnet (Verleugnung gilt in der Psychotherapie als ein ziemlich primitiver Abwehrmechanismus!). In der psychoonkologischen Therapie fragen wir erstmal nach dem Lebenssinn und der Lebensfreude und wenn diese Fragen beantwortet sind, dann können wir annehmen, dass sich ein sinnerfülltes und frohes Leben vielleicht auch ganz von selbst über das statistisch vorhergesehene Maß verlängert. Aber das betrachten wir als „Gnade“, die sich ergibt, die wir aber nicht anstreben. Wir streben nach „Gesundheit“ in einem umfassenden Sinne – und das ist auf jeden Fall mehr und etwas anders als einfach „länger leben“.

 

  •  „NICHT LEBEN WIE ZUVOR SONDERN LEBEN WIE NIE ZUVOR“

– Gestalttherapie mit krebskranken Menschen

Den obigen Satz von Rolf Verres („Die Kunst zu leben“)könnte man als Motto für die gestalttherapeutische Arbeit mit krebskranken Menschen ansehen, denn Gestalttherapie dient in erster Linie der besseren Selbstverwirklichung eines Menschen.

Lawrence Leshan, einer der erfahrensten und erfolgreichsten Psychoonkologen der Welt, stellte die Förderung der Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt seines therapeutischen Konzepts.Leshan ist der Ansicht, dass es für krebskranke Menschen darauf ankommt, einen Lebensstil zu finden, der ihnen Lebensfreude und Begeisterung vermittelt:

„Wenn es ein Wort, einen Begriff gibt, der als wichtigste Kraft für das Immunsystem wirkt, dann ist das Enthusiasmus, Begeisterung. Das heißt, sich nach dem Aufwachen morgens auf den Tag freuen, sich Ziele setzen, kreativ und aktiv sein, etwas mit anderen unternehmen wollen. Die therapeutische Arbeit besteht darin, mit dem Patienten zusammen diese Lebenslust, Lebensfreude zu entwickeln – auch angesichts der schweren Erkrankung.“ (L. Leshan,1992)

Gestalttherapie dient der Selbstverwirklichung und dadurch dem Immunsystem. Wenn ein Gestalttherapeut mit einem krebskranken Menschen arbeitet, dann ist es für ihn – ähnlich wie für Leshan – vorrangig, nach dem zu suchen, was für diesen krebskranken Menschen ein lebendiges und beglückendes Leben bedeuten würde, oder anders ausgedrückt: herauszufinden, wie er am besten nach seiner eigenen Lebensmelodie leben kann. Entscheidend dabei ist, dass diese Zielsetzung nicht einfach Ausdruck einer besonders humanen therapeutischen Grundhaltung ist sondern sich darauf gründet, dass „Selbstverwirklichung“ eines der besten Stimulantien für unser Immunsystems darstellt und daher in Bezug auf die Erkrankung wirklich heilsame Kräfte im Organismus freisetzen kann. Leshan hat in seiner Arbeit zeigen können, dass das in vielen Fällen erstaunlich gut funktioniert.

Wenn Gestalttherapie eines kann, dann ist es einen Menschen dazu motivieren, dass er mehr „er selbst“ wird, echter und lebendiger. Schon allein deshalb ist Gestalt ein guter therapeutischer Ansatz für Menschen, die an Krebs erkrankt sind. Aber es gibt noch andere Gründe dafür.

Wir wissen ja heute durch die psychoimmunologische Forschung, dass unser Immunsystem, dessen Funktionsweise wir als hauptverantwortlich für die Krebserkrankung ansehen müssen, eng mit unserer Psyche vernetzt ist, ja man könnte sagen, unsere Psyche „redet“ dauernd mit dem Immunsystem und alles, was uns seelisch beeinflusst, macht auch einen Effekt auf das Immunsystem.    Nun hat die psychoimmunologische Forschung u. a. herausgefunden, dass unser Immunsystem dann am besten funktioniert, wenn Körper und Seele gut integriert sind und wenn unser Geist möglichst „gegenwärtig“ ist, d.h. sich nicht allzu viel in Vergangenheit und Zukunft aufhält.                                                             Genau diese Art von Präsenz, von „Geistesgegenwärtigkeit“ fördert die Gestalt-Therapie. Sie ist geradezu bekannt geworden für ihre Betonung des „Hier-und-Jetzt“, die Lenkung der ganzen Aufmerksamkeit auf die momentane Situation. Diese Bewusstheit des „Hier-und-Jetzt“ nennt die Gestalttherapie „Gewahrsein“ und ist für sie ein Dreh- und Angelpunkt der psychotherapeutischen Arbeit. Ich möchte das ein wenig anschaulich machen:

Gestalttherapie fördert Präsenz

Da kommt z.B. eine an Brustkrebs erkrankte Frau in die Therapie und hat von Ihrem Mann geträumt, mit dem sie seit längerem eine ziemlich gespannte und sehr ambivalente Beziehung hat. Ich lasse sie zunächst ihren Traum so erzählen, als ob sie ihn gerade in diesem Moment träumen würde, im Präsens. Nachdem wir eine Weile mit dem Traum gearbeitet haben und der Konflikt mit ihrem Mann dabei deutlicher geworden ist, fordere ich sie auf, ihren Mann im Geiste ins Therapiezimmer zu holen, ihm einen Platz hier zu geben und mit ihm ein vorgestelltes Gespräch zu beginnen, so zu tun, als würde sie hier und jetzt direkt zu ihm sprechen. Zunächst fällt der Frau das schwer und sie kommt sich komisch dabei vor, nach und nach geht es aber doch und sie wird immer lebendiger und natürlicher dabei. Dann lasse ich sie auch die Rolle ihres Partners spielen und aus seiner Sicht sprechen. Am Ende der Sitzung ist sie fest entschlossen, ihren Partner mit in die Therapie ein zu beziehen und beim nächsten Mal mit ihm gemeinsam zu kommen, um den Konflikt mit ihm zu bearbeiten und einen dauerhaften Frieden mit ihm zu schließen. Dies ist ein Beispiel für gestalttherapeutische Arbeit im „Hier-und-Jetzt“, für die Förderung von Präsenz, von Gegenwärtigkeit – die offenbar unserem Immunsystem gut tut.

Gestalt fördert die kreative Auseinandersetzung mit der Erkrankung

 Ein weiterer Gesichtspunkt, der für die Gestalttherapie typisch ist und m. E. für krebsbetroffene Menschen besonders günstig: In der Gestalttherapie wird immer eine kreative Auseinandersetzung mit der Erkrankung gefördert. Ein Beispiel:

Ein junger Mann mit einem Hirntumor kommt in die Therapie-Stunde und bringt einen Kopf mit, den er aus Ton geformt hat. Der Kopf hat in der Oberfläche einen Riss (dort wo der Tumor sitzt) und wird von einer Hand liebevoll gehalten (die Hand ist seine eigene aber auch „Gottes Hand“, in der er sich geborgen fühlt – trotz Hirntumor). Ich glaube, man braucht diese kreative Auseinandersetzung mit der Erkrankung nicht kommentieren, sie spricht für sich.

Für viele Menschen wird in der Gestalttherapie das Malen zu einem beliebten und sehr produktiven Weg, sich schöpferisch mit der Erkrankung zu befassen und die verschiedensten Aspekte und Zusammenhänge dabei herauszuarbeiten.

Eine an Brustkrebs erkrankte Frau, die in ihrer Kindheit und Jugend mehrfach von Männern sexuell belästigt und missbraucht wurde, malt z.B. ein Bild von ihrer Vergangenheit und streicht all diese schlimmen Erfahrungen mit schwarzen und roten Strichen durch. Sie findet so eine Möglichkeit, ihren Zorn und Kummer auszudrücken und sich ein Stück von der schlimmen Vergangenheit zu befreien. Die positiven Aspekte ihrer Geschichte bewahrt sie sich, indem sie in dem Bild liebevoll und detailliert dargestellt und nicht ausgestrichen werden.

Die Gestalttherapie kennt wunderbare Möglichkeiten, solche Bilder oder Skulpturen psychotherapeutisch zu verarbeiten, sie als therapeutisches „Rohmaterial“ zu nutzen wie die Träume oder konkreten Erlebnisse eines Menschen.(Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte in die Gestalttherapie-Literatur schauen, siehe Literaturhinweise am Ende dieses Artikels)

Die schöpferische Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenssituation, in die die Erkrankung eingebettet ist, kann z.B. auch so aussehen, dass ein verheirateter Mann in mittlerem Alter, der einen Hirntumor entwickelt hat, entdeckt, dass ihm sein Leben zu eintönig ist, dass ihm „Freiheit und Abenteuer“ darin fehlt. Er fängt nun an, auch mal ohne seine Frau zu verreisen und beginnt ein neues Hobby zu pflegen, dass ihm – im Gegensatz zu seiner Berufstätigkeit – Naturnähe bietet: das Imkern.

Gestalttherapie fördert aktives „Coping“

Nach allem, was wir aus der wissenschaftlichen Forschung über den persönlichen Umgangs-Stil mit der Krebs-Erkrankung wissen (der sog. „Coping-Forschung“) ist der aktive und kreative Umgang mit der Erkrankung einer der besten Bewältigungsstile, die wir kennen. Aktives „Coping“ kann den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen.((Zur Coping-Forschung siehe z.B.das Buch von Volker Tschuschke :“Psychoonkologie“, Stuttgart 2002))

Ich möchte noch einen letzten wesentlichen Aspekt der Gestalttherapie hervorheben, der dafür spricht, dass Gestalt krebskranken Menschen in besonderer Weise dienen und helfen kann: Gestalttherapie betont in einzigartiger Weise die Selbständigkeit und Eigenverantwortung. Diese gelten als wichtigste Kriterien für menschliche Reife, für Erwachsen-Sein.

Für mich gehört dazu auch, dass wir als erwachsene Menschen selber Mitverantwortung für unsere Gesundung übernehmen und sie nicht anderen überlassen, dass wir uns nicht gesund machen lassen (z.B. von unserem Arzt), sondern selbst aktiv daran mitarbeiten. Wir sind nicht einfach Opfer der Erkrankung.

Natürlich darf man das nicht missverstehen: niemand ist für seine Erkrankung verantwortlich – das wäre eine psychologisch sehr schädliche und falsche Sicht der Dinge – aber jeder hat Mitverantwortung dafür, wie er am besten wieder gesund wird. „Verantwortung“ ist in der Gestalttherapie die Fähigkeit, flexibel auf die verschiedensten Lebenssituationen „zu antworten“ – und diese Fähigkeit fördert die Gestalttherapie in einzigartiger Weise.

 Gestalttherapie fördert Verantwortungsbereitschaft

Ich habe in den 20 Jahren, die ich jetzt mit krebskranken Menschen arbeite, immer wieder erlebt, dass die Menschen besser mit der Erkrankung fertig werden und eher wieder gesund werden, die bereit sind, an ihrer Gesundung aktiv mit zu arbeiten und ein Stück Verantwortung dafür zu übernehmen.

Sich der Erkrankung und seinem eigenen Leben zu stellen, und dafür z.B. in eine gestalttherapeutisch orientierte psychoonkologische Therapie zu gehen, ist für mich ein Ausdruck von gesunder Verantwortungsbereitschaft und kann ein machtvoller Schritt auf dem Weg der Gesundung sein.

Was kann man nun von so einer gestalttherapeutischen Begleitung als krebskranker Mensch erwarten ? Was für Ergebnisse bringt so eine psychoonkologische Behandlung ?

Hier als Beispiel die Rückmeldung einer an Brustkrebs erkrankten Frau, sieben Jahre nach ihrer Erstdiagnose, fünf Jahre nach Ende ihrer psychoonkologischen Therapie(aus: M. G. Steinvorth: „Psychoonkologie in freier Praxis“, S.179):

„Ich habe durch die Krankheit erst leben gelernt. Ich erlebe alles viel intensiver als früher, Freude, Genuss, menschliche Nähe, Natur, Kunst. Dadurch wird mein Leben reich und wertvoll, jeden Tag auf’s Neue…Seit fast drei Jahren habe ich chronische neurologische Probleme, die meinen Alltag deutlich beeinträchtigen – eine Erscheinung, die laut Aussage meines naturheilkundlichen Arztes bei ehemaligen Brustkrebspatientinnen nicht selten ist. Manchmal bin ich wütend oder traurig, wenn ich mit meinen tauben Händen etwas fallen lasse oder wenn ich im Dunkeln stolpere und die Richtung nicht halten kann. Aber insgesamt nehme ich meine Beeinträchtigung mit Gelassenheit an. Ich habe mich von der Vorstellung verabschiedet, dass ein glückliches Leben nur in einem symptomfreien Körper möglich sei.“

Und wie findet man einen gestalttherapeutisch orientierten Psychoonkologen ?

Z.B. über das Kölner Gestalt-Institut (www.gestalt.de), das Gestalttherapeuten auch selbst psychoonkologisch weiterbildet oder den Dachverband der Gestalttherapeuten in Deutschland (DVG – www.dvg-gestalt.de). Therapeutenadressen findet man unter www.gestaltherapie.de oder die E-mail-Adresse: service@therapeutenadressen.de. Auch über die DAPO (Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie) sind Therapeuten-Adressen zu erfragen (www.dapo-ev.de).

 Bezahlen die Krankenkassen diese Therapie ?

Diese Frage kann leider nicht eindeutig mit JA beantwortet werden, denn die Gestalttherapie ist in Deutschland noch nicht kassenzugelassen und für psychoonkologische Therapie gibt es keine eigene Abrechnungsmöglichkeit. Viele Gestalttherapeuten haben aber über ein anderes Verfahren eine Kassenzulassung und dann wird die Therapie von der Krankenkasse ganz normal finanziert. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass der Psychotherapeut über eine psychoonkologische Zusatzqualifikation (z.B. bei der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie) verfügt und schon mit krebskranken Menschen gearbeitet hat.

Literaturhinweise:

J.Canacakis/K.Schneider: Krebs – Die Angst hat nicht das letzte Wort. Stuttgart 1989

L.Leshan: Psychotherapie gegen den Krebs.Stuttgart 1982

L.Leshan: Diagnose Krebs – Wendepunkt und Neubeginn. Stuttgart 1993

F. Perls: Gestalttherapie in Aktion. Stuttgart 1986

M.G. Steinvorth: Psychoonkologie in freier Praxis. Bonn 2003

M. G. Steinvorth: Die Krebsreise. Bonn 2004

V. Tschuschke: Psychoonkologie. Stuttgart 2002

 

  •  BIOENERGETIK IN DER PSYCHOONKOLOGIE

Da liegt ein junger Mann auf meiner Couch mit einem Glioblastom, einem sehr schnell wachsenden Hirntumor. Seine Überlebenschancen sind sehr schlecht. Ich lasse ihn mit den Beinen auf die Couch schlagen und dabei ausrufen „Ich will leben“. Der junge Mann bringt diesen Satz kaum über seine Lippen, er kommt wie geflüstert, während der Beinschlag durchaus kräftig wirkt. Am Ende dieser Übung ist der junge Mann tief erschüttert: er hat gerade sein Studium erfolgreich beendet und seine erste Stelle angetreten, er liebt seinen Beruf und seinen kleinen Sohn. Er war bis jetzt davon überzeugt, dass er wirklich am Leben hängt. In der Übung hat er deutlich gespürt, dass das nicht stimmt, dass er sich bisher etwas vorgemacht hat.

Ein Jahr später lebt dieser junge Mann immer noch ( er hat inzwischen zwei schwere Hirnoperationen überstanden) und er sagt zu mir: “Ich habe in diesem Jahr gelernt, mein Leben zu lieben.“

Seit fast 25 Jahren arbeite ich jetzt psychotherapeutisch mit krebskranken Menschen. Meine bioenergetische Ausbildung hat mir dabei immer wieder geholfen und ich möchte deshalb in diesem Artikel schildern, warum ich die Bioenergetik für einen wertvollen therapeutischen Ansatz in der Psychoonkologie halte.

Der wichtigste Grund liegt für mich in einem energetischen Verständnis des Krebs-Geschehens: „Krebs“ stellt sich für mich energetisch dar als „abgespaltene“ Energie, d.h. eine Energie, die nicht mehr dem Gesamt-Organismus dient, die dem Organismus entfremdet ist und sich destruktiv gegen ihn wendet. Wir können das so verstehen, dass diese Energie durch ihre Desintegration destruktiv wird und das bedeutet dann: wenn es uns gelingt, diese Energie zu reintegrieren, dann verliert sie wahrscheinlich ihren destruktiven Charakter, dann kann diese Energie wieder im Sinne des Gesamt-Organismus „resozialisiert“ werden. Die Kunst des psychoonkologischen Therapeuten würde dann darin bestehen, mit dem Klienten gemeinsam herauszufinden, welche Energien er im Laufe des Lebens abgespalten hat und ihm zu helfen, diese Energien zu reintegrieren.                                    Dies können z.B. sexuelle Energien sein. Wilhelm Reich hat uns sehr dezidiert auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Und auch wenn Reich in mancher Hinsicht ein Fanatiker war und über den Krebs Aussagen gemacht hat, die kein vernünftiger Mensch ernst nehmen kann, so bin ich doch der Ansicht, dass Reich ein wichtiger Wegbereiter eines ganzheitlichen Verständnisses vom Krebs-Geschehen ist und ihm Unrecht getan wird, wenn seine Veröffentlichungen zum Thema „Krebs“ in Bausch und Bogen abgetan und als fanatischer Unfug verurteilt werden.

Ich finde es auch heute noch wegweisend und durchaus ernst zu nehmen, wenn Reich den Krebs als eine biologische Grundstörung zu begreifen versucht. Die moderne Chrono-Biologie tut nichts anderes und kommt zu interessanten Ergebnissen (z.B. dem Ergebnis, dass Frauen, die eine Brustkrebs-OP durchmachen müssen, ein nur etwa halb so großes Rezidiv-Rsikiko haben, wenn sie in der zweiten Hälfte ihrer Periode operiert werden statt in der ersten Hälfte).            Wir verdanken Reich auch wichtige Hinweise auf psychosomatische und bioenergetische Zusammenhänge zwischen Krebserkrankung und stiller Resignation eines Menschen. Er schrieb: “Resignation ohne offenen oder geheimen Protest gegen die Versagung der Lebensfreude muss also als eine der wesentlichsten Grundlagen der Schrumpfungsbiopathie angesehen werden. Die biopathische Schrumpfung wäre demnach eine Fortsetzung chronischer charakterlicher Resignation im Bereiche der Zellplasmafunktion“ (W. Reich: Der Krebs. Köln 1994,S.223-4).                                                                               Psychotherapeutisch gewendet bedeutet das: Lust, Lebensfreude, Bewegung, Expansion, Kontakt und allgemein „Lebendigkeit“ können bei der Krebserkrankung einen machtvollen Heilfaktor darstellen. Dafür bietet die Bioenergetische Analyse dem Therapeuten ein reichhaltiges Repertoire an therapeutischen Konzepten und Techniken und stellt daher einen therapeutischen Ansatz dar, der in der Psychoonkologie mehr Beachtung verdienen würde. „Bewegung“ wird ja als Heilfaktor in der Psychoonkologie seit Jahren ohne Ende diskutiert und immer neu angepriesen (erst kürzlich fand ich in einer Medizin-Zeitschrift die große Überschrift: „Regelmäßiges Sporteln hilft gegen Mammakarzinom“). Hier hätte die bioenergetische Analyse aus ihrer Sicht der Dinge eine Menge beizutragen, z. B. über die Bedeutung der Lust bei der Bewegung oder über die Bedeutung unwillkürlicher Bewegungen, die m.E. gerade bei der Aufarbeitung von traumatischen Erfahrungen eine große Rolle spielen. (Und man sollte nicht vergessen: Krebs ist ein Trauma !)                                                                    Meines Wissens ist die Bioenergetische Analyse die einzige Therapie-Form, die mit dem Konstrukt „Lebendigkeit“ arbeitet. Dieses Konstrukt vermittelt zwischen „Krankheit“ und „Gesundheit“, es ist im Grunde ein psycho-biologisches Konzept. Die Medizin kennt in ihrer Pathologie-Orientierung kein Konzept von „Lebendigkeit“ und auch der traditionellen Psychotherapie ist dieses Konzept fremd. Der bioenergetische Ansatz mit seiner Nähe zur Biologie hat hier also etwas Besonderes zu bieten, das für krebskranke Menschen sehr nützlich und wertvoll sein kann. Wilhelm Reich hat den Krebs einmal als „Lusthunger“ bezeichnet, eine interessante bioenergetische Sichtweise, wenn man „Lust“ nicht nur als „sexuelle Lust“ missversteht. Mit seiner Betonung der Lebensfreude befindet sich Reich übrigens schon in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts in erstaunlicher Nähe zu dem psychoonkologischen Konzept eines der erfahrensten und erfolgreichsten Psychoonkologen der Welt: Lawrence Leshan.

Leshan entwickelte in den 70er Jahren ein Konzept, in dem er „Lebensfreude“ und „Selbstverwirklichung“ in den Mittelpunkt seiner therapeutischen Arbeit mit Krebspatienten rückte – und er war damit außerordentlich erfolgreich. In einem Interview mit der Zeitschrift „Psychologie Heute“ im Jahre 1992 sagte Leshan:

„Wenn es ein Wort, einen Begriff gibt, der als wichtigste Kraft für das Immunsystem wirkt, dann ist das Enthusiasmus, Begeisterung. Das heißt, sich nach dem Aufwachen morgens auf den Tag freuen, sich Ziele setzen, kreativ und aktiv sein, etwas mit anderen unternehmen wollen. Die therapeutische Arbeit besteht darin, mit dem Patienten zusammen diese Lebenslust, Lebensfreude zu entwickeln – auch angesichts der schweren Erkrankung.“

Die moderne psychoimmunologische Forschung gibt Leshan Recht, denn eine chronisch negative Gefühlsbilanz kann das Immunsystem geradezu lähmen, während positive Gefühle dem Immunsystem wieder neuen Schwung vermitteln. „Lebensfreude“ ist also tatsächlich immunwirksam.

Ich möchte hier noch einmal zurückkommen auf meine Grundhypothese, dass „Krebs“ eine abgespaltene Energie darstellt. Wenn diese Grundannahme stimmt, dann kommt es sehr auf die Qualität dieser Energie an und die kann sehr verschieden sein, je nachdem, was der betreffende Mensch in seinem Leben abgespalten hat. Es wäre dumm und fahrlässig, immer davon auszugehen, dass es sich um sexuelle Energie handelt ( Ich hoffe, die heutigen Bioenergetiker machen diesen Fehler nicht mehr).

Ich persönlich habe z.B. sehr oft bei meinen Patienten den Eindruck, dass die Krebs-Energie all die Kräfte repräsentiert, die das „wahre Selbst“ des Patienten einst zurückgewiesen haben und all den archaischen Schmerz, die Wut und die Trauer über diese Zurückweisung. Für mich ist der Krebs also häufig der Ausdruck einer Selbst-Pathologie im Sinne Heinz Kohuts, von dessen therapeutischer Grundhaltung ich sehr viel für die Arbeit mit krebskranken Menschen gelernt habe. Ich würde aber nie behaupten wollen, dass diese Sicht der Dinge bei allen krebskranken Menschen zutrifft. Vielmehr bin ich nach wie vor der Überzeugung, dass die spezifische Art der abgespaltenen Energie bei jedem einzelnen Krebspatienten mit ihm zusammen herausgefunden werden muss und möchte davor warnen, sich voreilig auf irgendeine Hypothese fest zu legen.

Wenn man die Krebserkrankung als abgespaltene Energie betrachtet, die vom Organismus reintegriert werden muss, um wieder „heil“ zu werden, dann folgt daraus für mich auch, dass man „Krebs“ nicht „bekämpfen“ und „besiegen“ kann. Man kann ihn nicht „ausrotten mit Stumpf und Stiel“, denn Energie kann nicht „vernichtet“ werden sondern nur verwandelt, nur „transformiert“.

Auch hier könnte die Bioenergetik einen wichtigen Beitrag leisten für eine andere Kultur im Umgang mit dieser Energie, denn die öffentliche Diskussion ist immer noch durchsetzt von einem ausgesprochen kriegerischen Vokabular mit europäischen „Feldzügen“ gegen den Krebs usw. und die Medizin möchte den Krebs immer noch „vernichten“.

Zum Abschluss meines Artikels möchte ich noch einmal Wilhelm Reich zitieren, der in meinen Augen manchmal ein Visionär war, auch in Bezug auf den Krebs. Er schrieb 1940:                                                                                                  „Es ist uns immer angenehm, eine Krankheit scharf vom Gesunden abzugrenzen, den spezifischen Erreger oder die spezifische Ursache zu finden. Wir fühlen uns dann sicherer, denn es gibt demzufolge Organismen, die davon frei sind. Aber diese Auffassung ist falsch, und sie verhindert wichtige Einsichten in das Wesen der Immunität, d.h. der natürlichen Abwehrfunktionen des lebenden Organismus, seiner orgonotischen Potenz. Es ist nicht richtig, dass es seelisch Gesunde hier und seelisch Kranke dort gibt. Und es ist nicht richtig, dass es „Krebskranke“ hier und „Krebsfreie“ dort gibt. Jeder „Gesunde“ hat in der Tiefe seine katatonen Mechanismen und seine T-Bazillen. Die Grenze ist unscharf, und die Frage verschiebt sich von spezifischen „Ursachen“ und spezifischen Erregern der Krankheiten zur orgonotischen Abwehrfunktion gegen Krankheiten. Wir müssen erst die Gesundheit begreifen, ehe wir Krankheiten zu heilen versuchen.“ (W.Reich: Der Krebs, S.287)

Literatur:

KOHUT, HEINZ: Die Heilung des Selbst, Frankfurt 1981

LESHAN, LAWRENCE: Diagnose Krebs: Wendepunkt und Neubeginn. Stuttgart 1993

LESHAN, LAWRENCE: Interview in PSYCHOLOGIE HEUTE 6/1992.

REICH, WILHELM: Der Krebs. Köln 1994

 

  •  Das Konzept von Greg Anderson: Werde ein neuer Mensch, dann kannst Du den Krebs überwinden – und vielleicht wirst Du dabei auch gesund.

Greg Anderson ist ein Betroffener: Er hatte metastasierenden Lungenkrebs und eine sehr schlechte medizinische Prognose (von einigen Wochen Lebenserwartung). Er wollte diese Prognose nicht akzeptieren und hat trotz allem nicht aufgegeben, sondern um sein Leben gekämpft. Er schreibt dazu:

„Damals begann ich eine Reise, die bis zum heutigen Tag andauert. Ich war entschlossen, Menschen ausfindig zu machen, die überlebt hatten, obwohl man angenommen hatte, sie müßten sterben. Und wenn ich sie gefunden hätte, wollte ich herausfinden, warum sie ihrer Meinung nach noch lebten. Und ich hoffte, daß ich dabei auch etwas für mich selbst lernen könnte.“ (G.Anderson: Der Krebs-Überwinder,S.9)

Aus seiner eigenen Erfahrung heraus und aus den Erkenntnissen, die er in vielen Interviews mit Krebspatienten gemacht hat, die – wie er selbst – eine schlechte Prognose überlebt haben, hat Anderson einige Grundsätze entwickelt, wie man seines Erachtens Krebs „überwinden“ kann, wie er das nennt.                            Ich finde diesen Ausdruck interessant. Zeigt er doch, daß es Anderson nicht – wie im medizinischen Jargon üblich – um das „Besiegen“ von Krebs geht, nicht um das Ausrotten-Wollen, das erbitterte Dagegen-Ankämpfen, sondern daß es eine andere Perspektive auf die Auseinandersetzung mit dieser Erkrankung gibt, eben das „Überwinden“. Und wenn ich ihn recht verstehe, dann bedeutet das Überwinden des Krebses letztlich auch, sich selbst zu überwinden und ein „neuer Mensch“ zu werden. Spannend ist an diesem Ansatz, daß man im Prozeß des Überwindens den Krebs nahezu aus den Augen verliert, statt sich – wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange – auf ihn zu fixieren. Ganz andere Dinge werden in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, z.B. die eigene innere Einstellung zu Krankheit und Gesundheit, die Bewältigung emotionaler Konflikte, die Entscheidung für ein Leben, das von Freude und Engagement erfüllt ist statt von Hoffnungslosigkeit und Selbstaufgabe.

Ich muß zugeben, daß ich von dem Stil, in dem Andersons Buch geschrieben ist, eher abgestoßen bin: eine Art Trivialroman, hauptsächlich aus spürbar künstlichen Dialogen bestehend, typisch amerikanisch und literarisch für meinen Geschmack ziemlich grauenhaft.

Aber was ich inhaltlich in diesem kleinen Büchlein gefunden habe, das nötigt mir allen Respekt vor dem Autor ab, denn es ist so ziemlich alles das, was ich selber in 15 Jahren psychotherapeutischer Arbeit mit Krebspatienten gelernt und erkannt zu haben glaube. Das hat mich sehr erstaunt.

Anderson scheint eine geniale Begabung zu haben, seine eigene Erfahrung therapeutisch für andere umsetzen und fruchtbar machen zu können. Allerdings fließen in sein Konzept nicht nur eigene, sondern auch die Erfahrungen von ca. 500 anderen Krebspatienten mit ein, die – ähnlich wie er selbst – eine schlechte Prognose lange überlebt haben und die Anderson im Verlauf seiner eigenen Krebs-Reise interviewt hat.

Der Ausgangspunkt von Anderson war der, daß er sich nach dem ersten Schock über seine deprimierende Prognose sagte:

„Dir bleibt vielleicht nicht mehr viel Zeit zum Leben, doch lebe in der verbleibenden Zeit !“ Dabei war er besonders schmerzlich berührt von dem Gedanken an seine kleine Tochter, die er vielleicht nicht mehr würde heranwachsen sehen. Er dachte: “Vielleicht bin ich morgen nicht mehr hier und kann sie nicht mehr lieben. Doch heute bin ich hier. Wie kann ich ihr meine Liebe jetzt zeigen ?“ – Das wurde seine Grundeinstellung: Für das Heute und die Liebe zu leben und sein Bestes dafür zu geben – egal wie lange er noch leben würde.

Er entwickelte daraus seine ersten drei Grundsätze:

– Glauben lernen

– Verändern lernen

– Leben lernen

Auch Anderson fragt die Patienten als erstes (wie Siegel), was Krebs ihrer Meinung nach bedeutet – und hört dann sehr genau zu. Dann leitet er die Menschen taktvoll und liebevoll dazu an, sich von leidvollen und negativistischen Meinungen über ihre Erkrankung zu verabschieden und (wie bei Simonton) sich gesündere und positivere Einstellungen und Überzeugungen zu eigen zu machen. Anderson macht den Betroffenen deutlich, daß sie ihre Meinung wählen können, daß sie sich entscheiden können für weniger unheilvolle und düstere Ansichten über Krebs allgemein und ihre eigene Art der Erkrankung im Besonderen. Auch für die medizinische Behandlung ist es sehr wichtig, wie der Betroffene selbst darüber denkt. Ob er z.B. die Chemo-Therapie als eine schreckliche Art von „Vergiftung“ auffaßt (wie ich das von vielen Krebspatienten gehört habe) oder ob er diese Behandlung als wirksame Unterstützung und Hilfe in seinem eigenen Kampf mit der Erkrankung sehen kann (und dementsprechend auch innerlich mit guten Gefühlen begrüßen kann, statt sich nur davor zu fürchten).                  Der Glaube an die positive Wirksamkeit der Behandlung ist für Anderson ein ganz entscheidender Faktor auf der Reise durch den Krebs. Als nächstes geht es ihm darum, daß der Patient erkennt, daß sein Geist und seine Seele die wichtigsten Faktoren des gesamten Behandlungsprogramms überhaupt sind. Er schreibt:                                                                                                    „Ich begriff, daß ich zwar Krebs hatte, aber daß der Krebs nicht mich hatte.“  Um diesen Unterschied geht es Anderson und seine Haltung zeigt sehr anschaulich, wie wichtig die innere Einstellung des Patienten für den Verlauf des Krebs-Geschehens ist. Wenn man das so akzeptieren und sehen kann, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt weiter, zu erkennen, daß die Krebserkrankung eine sehr bedeutsame psychologische und spirituelle Komponente hat und daß das Überwinden des Krebses auch auf diesen Ebenen ausgetragen und entschieden wird.                                                                                     Anderson bezieht sich (ähnlich wie Leshan, Siegel und Simonton) ausführlich auf die neueren Erkenntnisse der Psychoimmunologie, die gezeigt haben, wie direkt (über Transmitterstoffe) das gesamte menschliche Gehirn und vor allem auch die Großhirnrinde mit dem Immunsystem kommunizieren. Das bedeutet, daß unsere gesamte Erlebnisverarbeitung (das, was wir gemeinhin „Seele“ nennen) direkte Auswirkungen auf das Immunsystem hat. Auch die Streßforschung hat in vielen vergleichenden Tierexperimenten nachweisen können, daß Streß das Immunsystem schwächen und so indirekt das Wachstum von Tumoren fördern kann. Den eigenen Umgang mit Streß zu untersuchen und zu ändern, kann sich daher für Krebspatienten lohnen.                                                                   Als weiteren Schritt schlägt Anderson vor, den Krebs als einen Prozeß zu sehen, einen Vorgang statt einen Zustand, d.h. dynamisch statt statisch, und zwar als einen Vorgang der reversibel ist und dessen Entwicklung nicht determiniert ist . Auch die Medizin verabschiedet sich ja gerade – u.a. unter der Einwirkung der Forschung über das Phänomen der sog. „Spontanremission“ – von der bisher geläufigen Vorstellung, Krebs sei ein irreversibler Prozeß, d.h. der Körper könne ihn ohne äußere Einwirkung nicht rückgängig machen. Sieht man den Krebs als Prozeß, dessen Entwicklung nicht genau vorhergesagt werden kann, dann ergibt sich das Bild von der „Reise durch den Krebs“, einer Reise, die man macht, die man durchlebt und auf der man selbst eine entscheidende Rolle dafür spielt, was man auf dieser Reise alles erlebt und wohin sie schließlich führt.                       Ist man Andersons Konzept soweit gefolgt, dann ist es nicht mehr schwer zu akzeptieren und nachzuvollziehen, daß der Krebs-Prozeß vom Betroffenen nicht nur rational sondern vor allem emotional er- und durch-lebt wird, und daß diese Gefühle für den weiteren Verlauf der Krebs-Reise von erheblicher Bedeutung sind. Die Gefühle des Patienten verdienen Beachtung und können sogar einen Heilfaktor ersten Ranges darstellen, wenn richtig mit ihnen umgegangen wird. Nun folgt der größte und entscheidende Schritt in Andersons Konzeption vom Überwinden des Krebses: Er bekennt sich zu der Überzeugung, daß die Krebs-Erkrankung eine Aufforderung sei, sich zu ändern (ganz ähnlich wie Simonton sieht Anderson hierin die zentrale „Botschaft“ der Erkrankung).                    Was mit Veränderung im Einzelnen gemeint ist, füllt dann ungefähr den Rest von Andersons Buch aus. Vorläufig und noch sehr allgemein formuliert er es so:

„Wenn wir die Bereiche in unserem Leben, in denen Unruhe und Angst herrschen, verändern, so daß Liebe, Freude und Frieden gedeihen. Das bedeutet letztlich, den Krebs zu überwinden. Und indem wir ihn überwinden können wir ihn sogar heilen. Der Körper kann oft physisch auf neu erwachte Hoffnungen reagieren. Wenn der Geist und die Seele ihre Konflikte gelöst haben, gelingt es oft auch dem Körper, eine Krankheit zu überwinden.“ (Anderson, S.48)                                                                                        Was im Leben des einzelnen Krebspatienten „veränderungsbedürftig“ sein könnte,ist immer hochindividuell zu bestimmen und läßt sich nicht verallgemeinern. Meines Erachtens ist dies eine zentrale Aufgabe der begleitenden Psychotherapie, mit dem Patienten gemeinsam herauszufinden, um welche Veränderungen es bei ihm im Einzelnen geht. Oft ist das eine ziemlich komplizierte Aufgabe, die keineswegs sofort auf Anhieb gelingt.   Trotz dieser Notwendigkeit, im Einzelfall sehr genau hinzuschauen, empfiehlt Anderson in drei Bereichen auf jeden Fall Änderungen vorzunehmen:                  – in der Ernährung

– im Bereich der körperlichenBewegung

– im Bereich der Wertschätzung für sich selbst (der „Selbstliebe“)

Er schreibt dazu erläuternd:                                                                    „Doch so wichtig die Ernährung und die körperliche Bewegung auch sind, wenn der Krebs-Überwinder von Veränderung redet, dann legt er die Betonung auf den psychologischen und emotionalen Bereich. Und er beginnt dabei mit der Liebe zu uns selbst. Wenn wir keine gesunde Wertschätzung für uns selbst empfinden, werden wir uns wahrscheinlich nicht richtig ernähren und bewegen. Das Verändern geht über die Äußerlichkeiten von Ernährung und körperlichen Übungen hinaus. Wenn wir seine Bedeutung untersuchen, dann konzentrieren wir uns darauf, gefühlsmäßige Sperren und selbstzerstörerisches Verhalten in unserem Leben herauszufinden und unser Leben davon zu befreien.“ (Anderson, S. 56/57)

Anderson betont (ähnlich wie Simonton) den Zusammenhang von Gesundheit und allgemeinem Lebensstil. Er schreibt dazu:

„In einfachen Worten, der Krebs-Überwinder ermutigt uns, anzuerkennen, daß Verhalten, Überzeugungen und Gedanken zusammen einen geistigen und emotionalen Ausblick auf das Leben schaffen, einen emotionalen Lebensstil. Diese Emotionen, seien sie positiv oder negativ, wirken sich auf den Körper aus. Unsere Überzeugungen, Verhaltensweisen und Gefühle führen zu Krankheit und Gesundheit.“ (Anderson,S.57)

Anderson geht auch ausführlich auf die Rolle ein, die Streß und chronische negative Gefühle für den Ausbruch und Verlauf der Krebs-Erkrankung spielen können. Dabei ist nicht der objektive Streß das Problem, sondern wie wir (subjektiv) mit dem Streß umgehen. Er schreibt:

„Wenn wir keine Möglichkeit für eine äußere Reaktion haben, wird der Streß nach innen geführt. Und solch ein nach innen geleiteter Streß kann uns auf die Dauer in Schwierigkeiten bringen.“ (Anderson, S.63)

Anderson empfiehlt zwei Möglichkeiten, mit Streß anders umzugehen:

  •  Verändern Sie Ihre Vorstellung von sich selbst !
  •  Verändern Sie Ihre Vorstellung von Ihrem Problem !

Er meint damit, daß man einerseits lernen kann, sich selbst für fähiger zu halten, mit allen Problemen des Lebens fertig zu werden (d.h. eine bessere Meinung von sich selbst im Umgang mit Streß entwickeln) – andererseits könne man auch lernen, Probleme als weniger bedrohlich zu erleben, so daß sie ihre emotionale Wucht verlieren.

Insgesamt geht die Veränderungsrichtung dahin, wegzukommen von Gefühlen der Schuld, der Hilflosigkeit , der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, indem man eine andere Einstellung zu sich selbst und zu seinen wesentlichen Lebens-Problemen entwickelt.

Z. B. ist es sehr wichtig, aus der Opfer-Rolle herauszutreten und stattdessen Verantwortung für sich und seine emotionalen Reaktionen zu übernehmen.

Anderson schreibt dazu: „In der Opfer-Haltung dominieren Ängste, Wut und Schuldgefühle. An ihnen werden Sie als erstes arbeiten. Das Besiegen des Krebses besteht darin, daß wir selbst Verantwortung für das Verändern unserer negativen Gefühle übernehmen.“ (Anderson, S.72)

Auch ihm ist es dabei wichtig (wie Leshan, Siegel und Simonton), daß „Verantwortung übernehmen“ nicht mißverstanden wird als „sich schuldig fühlen“.

Wie man sieht, betont Anderson stark die Bedeutung der emotionalen Lebensgeschichte und deren Aufarbeitung (am besten mit einer begleitenden Psychotherapie). Im Einzelnen gibt er dazu folgende Empfehlungen:

  •  Sich seinen Gefühlen zu öffnen (aus seiner Erfahrung heraus, daß sich Krebs-Patienten oft gefühlsmäßig verschließen)
  •  Wesentliche Verluste zu betrauern (aus der Erfahrung heraus, daß Krebspatienten sich oft damit schwer tun oder Verluste auf die leichte Schulter nehmen )
  •  Aufhören, ständig zu urteilen – sowohl über sich selbst wie über andere (aus der Erfahrung heraus, daß Krebspatienten häufig andere und sich selbst kritisieren – oft ohne sich dessen bewußt zu sein).
  •  Sich ehrlich fragen, welche gefühlsmäßigen Bedürfnisse die Erkrankung einem erfüllt (die Frage nach dem „Krankheitsgewinn – ähnlich wie bei Siegel und Simonton)

Anderson schreibt dazu: „Manche Menschen hängen emotional an der Krankheit. Sie ist ihr neu gefundener Weg, wie sie sich emotionale Bedürfnisse erfüllen können, die sonst nicht erfüllt würden.“ (Anderson, S.79)

 

Das Ziel ist dabei natürlich, einen Weg zu finden, wie die betreffenden Bedürfnisse auch ohne die Krankheit erfüllt werden können, so daß man für die Befriedigung dieser Bedürfnisse nicht mehr mit Krankheit bezahlen muß.

Sich klar machen, was man sich und anderen innerlich vorwirft und sich und anderen vergeben (Man kann sich z.B. eine Liste aller Vorwürfe machen und sie anschließend feierlich verbrennen)

(Wichtig erscheint mir bei diesem Punkt, daß man seinen inneren Groll zunächst ehrlich sichtet und dann schaut, ob man bereit ist, ihn loszulassen. Dabei kann gerade der Akt, sich selbst zu vergeben, das Wichtigste sein. Zusammenfassend schreibt Anderson zu seinen Veränderungs-Empfehlungen:

„Immer wieder sind die Menschen, die den Krebs überwinden, auch diejenigen, die systematisch an der Lösung ihrer emotionalen Konflikte arbeiten. Die Hauptaufgaben bestehen darin, die eigene Verantwortung in allen Lebensbereichen zu akzeptieren, sowie die grundsätzlichen Überzeugungen rückhaltlos zu überprüfen, mit Streß besser umzugehen und durch Lieben und Verzeihen ein besseres Selbstbild aufzubauen. Es gibt noch mehr, aber das ist der Kern. Ich glaube, daß ein Krebs-Überwinder den Punkt erreichen muß, an dem er oder sie sagt: Ich bin mir wichtig, und ich bin nicht bereit, noch länger unglücklich zu sein. Ich will mein Leben nicht länger in der alten zerstörerischen Weise leben. Ich will mich ändern.“ (Anderson, S.84/85)

Es überrascht nicht, daß auch für Anderson (wie für Leshan, Siegel und Simonton) die alltäglich gelebte Spiritualität einen wichtigen Heilfaktor darstellt, dem er sich in seinem Buch intensiv zuwendet.

Als höchstes Ziel strebt er dabei „inneren Frieden „ an, den er als „innere Harmonie, Zufriedenheit und Gelassenheit“ definiert. Wesentlich ist ihm, daß diese Art von innerem Frieden das Ich transzendiert, also den Menschen über die eigene Nabelschau hinauswachsen läßt. Er schreibt:

„Sie werden persönlichen Frieden erleben, wenn im wesentlichen übereinstimmt, was Sie denken, was Sie sagen und was Sie tun.“ (Anderson, S.122) Für wie bedeutsam er die gelebte Spiritualität im Heilungsprozeß hält, wird aus folgender Aussage deutlich:

„Wenn ich eine Veränderung angeben müßte, die meinen Tageslauf am meisten veränderte, die für die Heilung die größten Möglichkeiten in sich barg, dann ist es dieses Streben – das Annehmen eines tiefgehenden inneren Friedens, der uns allen zur Verfügung steht…Ich nehme mir jeden Tag eine Zeit der Stille, eine tägliche Portion Ruhe, die mich mit den verborgenen Schichten des inneren Friedens in Berührung bringt…. Zweimal am Tag reserviere ich mir fünfzehn Minuten, um Gefühle und Denken zu beruhigen, um meinen Geist zu erforschen und mir zu bestätigen, daß ich in allen Bereichen meines Lebens gesund bin… Zweimal am Tag – öfter, wenn ich viel Streß habe – lasse ich meinen Geist zur Ruhe kommen, bestätige ich mich selbst und finde meinen persönlichen Frieden.“ (Anderson, S.124)

Er beschreibt dann konkret seine Form der Meditationspraxis, die im wesentlichen mit dem übereinstimmt, was in der Literatur als „Vipassana“ oder „Achtsamkeits-Meditation“ bekannt ist.

Zusätzlich zu dieser Meditationspraxis empfiehlt Anderson die persönliche Auseinandersetzung mit spirituellen Grundwerten und Grundfragen (wie der Frage nach dem Sinn und Wert des persönlichen Lebens und der Bedeutung des Todes ). Er schreibt:

„Es gibt gewisse Grundgewißheiten, grundlegende Wertvorstellungen, die unsere Lebenserfahrung tiefgründig in nahezu jeder Hinsicht beeinflussen. Sie bestimmen vorwiegend die Lebensqualität auf allen Ebenen. Diese Überzeugungen – diese geistigen Grundentscheidungen – berühren uns weit über den Körper hinaus, weit über den Krebs hinaus.“ (Anderson, S. 157)

Er gibt zu diesem Thema auch einige konkrete Anregungen aus seinen persönlichen spirituellen Überzeugungen heraus. Eine davon möchte ich zitieren, weil ich glaube, daß sie viele Menschen betrifft, die mit dem christlichen Glauben an einen personalen Gott großgeworden sind:

„Mir wurde beigebracht, daß die Erbsünde mich vollständig hilflos gemacht habe, daß manche Menschen vorbestimmt seien, in ewiger Verzweiflung zu leben, und daß mein Verhalten nur mit einer großen Portion Angst und Schuld gelenkt werden könne. Ich fürchtete mich vor einem Gott, von dem ich dachte, er sei hinter mir her. Diese Überzeugungen sind nicht wahr. Sie vermengen das Tun des Menschen mit den ihm von Gott ursprünglich gegebenen Eigenschaften. Tatsächlich erkennen nahezu alle Religionen an, daß die Menschen unschuldig und gut geschaffen wurden. Die Idee vom ‚Bösen‘, das so viele Menschen betonen, kam später. Wenn die Betonung auf ‚böse‘ liegt, ist fast immer das Endergebnis Schuld. Das ist traurig und zerstörerisch. Diese Unterweisungen gehen einfach nicht tief genug. Und noch schlimmer, sie bringen den Menschen zahllose Verletzungen bei. Ich persönlich bin überzeugt, daß viele Krankheiten, einschließlich Krebs, verursacht oder verlängert werden, weil die Menschen sich selbst und andere zu dieser Schuld verdammen.“ (Anderson, S.167/168)

Man erkennt hier, daß Greg Anderson seine spirituellen Überzeugungen wesentlich verändert hat und zu spirituellen Ansichten gereift ist, die nicht nur menschenfreundlicher sind sondern auch „gesünder“ in dem Sinne, wie Simonton das in seiner Konzeption versteht.

An diesem kleinen Beispiel wird verständlich, was Simonton mit seiner Überprüfung der spirituellen Überzeugungen intendiert und es wird auch vorstellbar, wie zerstörerisch sich „ungesunde“ spirituelle Überzeugungen auf ein Menschenleben auswirken können. Umgekehrt kann man hieran vielleicht auch nachvollziehen, welchen gesundheitlichen Gewinn die innere Verabschiedung von einem „strafenden Gott“ darstellen kann.                     Auch Greg Anderson drängt seine religiösen Überzeugungen niemandem auf. Er versucht nur zu zeigen, wie wesentlich sie für seinen persönlichen Heilungsweg waren und er lädt daher andere Krebs-Reisende dazu ein, sich ihre eigenen für sie hilfreichen und passenden spirituellen Überzeugungen zu bilden. Man erkennt daran, daß wahre Spiritualität nie dogmatisch und nie fanatisch sein kann. Jeder wirklich religiöse Mensch weiß, daß viele Wege nach Rom führen.


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